Die deutsche Bloggerin des Jahres erfand ihre „jüdische“ Familien-Holocaust-Geschichte, betrogene Leser und Medien

Falsche jüdische Identität

Marie Sophie Hingst: Wie sich eine deutsche Bloggerin den Holocaust zu eigen machte

Eine jüdische Familiengeschichte mitsamt 22 in Yad Vashem eingereichten Opfern – damit zog die deutsche Bloggerin und Historikerin Hingst jahrelang Aufmerksamkeit auf sich. Nun ist klar: Das war frei erfunden.

 

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Bild aus:  Die Welt

Die deutsche Historikerin Marie Sophie Hingst, bekannt für ihren Blog über Familienmitglieder, die im Holocaust „umgekommen“ sind, hat belogen. Die Offenbarung brachte auch die Medien, die ihre anderen „persönlichen Geschichten“ veröffentlichten, in eine Zwickmühle.
Hingst, die in Dublin lebt, erlangte durch ihre Geschichten über ihre angeblichen jüdischen Vorfahren, die in der Zeit des Holocaust tragischerweise starben, Aufsehen. Diese wurden in ihrem Blog „Read on my dear, read on“ (jetzt offline) veröffentlicht, den sie bereits 2013 in Dublin begann. Der Blog enthielt vor allem Berichte über ihren Großvater, von dem sie sagte, dass er im NS-Todeslager Auschwitz getötet wurde.
Ihre Heldentaten blieben nicht unbemerkt, denn irgendwann erreichte ihr Blog satte 240.000 Leser, während sie zur Bloggerin des Jahres gekürt und vom Verein Golden Bloggers ausgezeichnet wurde – der Gruppe hinter einem der größten deutschen Social Media Influencer Awards.
Hingst war auch zu moderierten Podiumsdiskussionen für den Gönnerverein des Berliner Holocaust-Mahnmals eingeladen und sprach laut deutscher Presse häufig für Angehörige der Holocaust-Opfer.
Ihre Geschichten, die ein solches Echo in den Herzen ihrer Leser auslösten, erwiesen sich jedoch als vollständig erfunden, wie eine Gruppe von Archivaren aus dem deutschen Stralsund zeigte. Hingst erwähnte Stralsund tatsächlich als die Heimatstadt ihrer Familie – und das zu Recht. Die Stadtarchivare, die von einer anderen deutschen Historikerin über die Ungenauigkeiten in ihren Blog-Posts informiert wurden, fanden jedoch heraus, dass ihr Großvater nie nach Auschwitz geschickt worden war und nicht einmal ein Jude war.
Er war ein protestantischer Pastor und seine Frau war Zahnärztin und auch Anhängerin des Protestantismus, so die Zeitung Der Spiegel, die als erste die Geschichte aufschlug. Tatsächlich sei keiner ihrer Verwandten Opfer des Holocaust geworden, so die deutschen Medien.
Diese Situation sieht noch seltsamer aus, wenn man bedenkt, dass es Hingst, die wegen ihrer Scheingeschichten jetzt in heißem Wasser steht, nicht nur gelungen ist, ihr großes Publikum von der Existenz von bis zu 22 fiktiven jüdischen Verwandten zu überzeugen, sondern sogar das in Jerusalem ansässige Holocaust-Mahnmal Yad Vashem in Israel getäuscht und sie dazu gebracht hat, ihre „Verwandten“ in ihre offiziellen Erinnerungslisten aufzunehmen, indem sie ihnen gefälschte „Pages of Testimony“ schickte.
Nun musste das Auswärtige Amt die Gedenkstätte auf die jüngsten Enthüllungen über den Blogger aufmerksam machen. Hingst selbst sieht das Problem mit ihrem jahrelangen Schwindel offenbar nicht. Die Historikerin erzählte dem Spiegel über ihren Anwalt, dass ihre Blog-Einträge mit „einem hohen Maß an künstlerischer Freiheit“ geschrieben wurden. Sie erklärte auch, dass sie es nicht um des Ruhmes willen tat, sondern angeblich, um schwere Depressionen zu bekämpfen. „Das ist Literatur, nicht Journalismus oder Geschichtsschreibung.“
Unzureichende Faktenkontrollen“.
Diejenigen, die sich durch die Enthüllung des preisgekrönten Bloggers als Hoaxer in eine echte Bindung gerieten, waren die deutschen Medien und einige andere westliche Outlets. Es zeigte sich bald, dass Hingst nicht damit aufhörte, ihre Familiengeschichte zu schreiben, sondern noch weiter ging, indem sie einige fiktive Geschichten über ihr eigenes Leben schuf.
Im Laufe der Jahre waren seriöse deutsche Medien mehr als begierig darauf, Geschichten über die Frau zu veröffentlichen, die nach ihren eigenen Worten eine Klinik in den Slums von Neu-Delhi gründete und Flüchtlingen, die nach Deutschland kamen, bei der Integration half, indem sie Sexualerziehungskurse startete. Nun, da sich diese Fakten auch als unwahr erwiesen haben, haben sich die Medien beeilt, sich bei ihren Lesern hektisch zu entschuldigen und zu erklären, dass sie „keinen Grund hatten, an Hingsts Geschichten zu zweifeln“.
Die Tageszeitung Die Zeit unternahm besonders außergewöhnliche Anstrengungen, um ihren Fehler zu erklären und veröffentlichte einen langen Blog-Post, in dem sie die zahlreichen Möglichkeiten beschrieb, mit denen die Redakteure die Behauptungen von Hingst verifizierten, nur um zuzugeben, dass „die Faktenprüfung vor der Veröffentlichung und nach Erhalt der ersten Hinweise unserer Leser bei weitem nicht ausreichend war“.
Es ist nicht das erste Mal in den letzten sechs Monaten, dass sich die deutschen Medien wegen gefälschter Geschichten in heißem Wasser befinden. Ende 2018 stand der Spiegel, der die Geschichte über Hingst’s Schwindel brach, im Mittelpunkt eines großen Skandals, nachdem bekannt wurde, dass sein Reporter Claas Relotius, der gelegentlich auch für andere deutsche Zeitungen schrieb, als Betrüger entlarvt wurde.

Quelle 1

Falsche jüdische Identität

Marie Sophie Hingst: Wie sich eine deutsche Bloggerin den Holocaust zu eigen machte

Quelle 2

 übersetzt  von ddbNews R.

 

Marie Sophie Hingst wird Blogger-Preis aberkannt

 

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